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Türke wählt Freitod

Türke schießt sich in den Kopf

Ein dunkler Fleck auf dem Asphalt, darauf drei Blumen - hier, mitten in Essen auf der Straße, hat sich gestern am helllichten Tag ein junger Mann erschossen. Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar, so die Polizei.

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Tanja Deutschmann hatte gerade zu Mittag gegessen, als sie plötzlich einen lauten Knall hörte. Als sie vom Kinderzimmerfenster aus noch nach draußen schaute, rannte ihr Vater, Rudolf Deutschmann, schon los. Nur wenige Meter von dem großen grauen Mehrfamilienhaus entfernt, lag ein Mann in seinem Blut - Kopfschuss. Die Pistole hielt er noch in der Hand. Ein Passant alarmierte gegen 13.30 Uhr über Handy die Polizei. "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden. Es war Freitod", berichtet ein Beamter. Bei der Tatwaffe handele es sich um eine sowjetische Militärpistole. Wer der Tote ist, steht zur Zeit noch nicht fest. Die Polizei geht davon aus, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen türkischen Staatsangehörigen handelt. "Wir prüfen noch, ob er sich etwa illegal in Deutschland aufgehalten hat und womöglich von seiner Familie getrennt leben musste", heißt es. Papiere hatte der Mann von Anfang 20 nicht bei sich. "Wir haben ihn gekannt, er nannte sich Onur", sagen die Türken aus der Nachbarschaft, die am Nachmittag im kleinen Kreis zusammenstehen. "Wir haben uns in den vergangenen Wochen häufig in der türkischen Teestube gleich um die Ecke getroffen und dort auch schon mal Karten gespielt und geplaudert", erzählt Ali Alacat, der direkt gegenüber einen Kiosk betreibt. Bei ihm habe Onur noch am Morgen seines Todestages die Zeitung Hürriyet gekauft.

Freitod oder Mord?

Abu Nidal ist nicht freiwillig aus dem Leben geschieden. Der palästinensische Top-Terrorist ist auf Befehl von Saddam Hussein erschossen worden, behaupten zwei große Londoner Sonntagszeitungen. Die Exekution des weltweit gesuchten Attentäters in einer irakischen Villa enthüllt danach einen Blick auf tiefe Zerwürfnisse im Lager des internationalen Terrors. Nach dem US-Einmarsch in Afghanistan sind offenbar zahlreiche Kämpfer von Osama bin Laden in den Irak geflohen. Der irakische Präsident wollte Abu Nidal zwingen, diese El-Kaida-Truppen für neue Anschläge auszubilden. Davon ist zumindest der "Sunday Telegraph" überzeugt, der seine Darstellung auf westliche Diplomaten und irakische Oppositionsgruppen stützt. Schon mehrfach hatte sich der 65-jährige Palästinenser, dessen radikale Terrorgruppe sich in den 70er Jahren von Jassir Arafats Fatah-Bewegung abgespalten hatte, in den Irak abgesetzt. Zuletzt wurde er in einem Krankenhaus in Bagdad wegen Hautkrebs behandelt. Während dieses Aufenthalts kam es offenbar zu einem Zerwürfnis mit Saddam Hussein, dessen Hintergründe allerdings unterschiedlich interpretiert werden. Der irakische Geheimdienst behauptet, Abu Nidal habe sich an einem Komplott beteiligt, hinter dem drei Halbbrüder des Diktators stehen. Der drohenden Verhaftung habe er sich durch Freitod entzogen. Die "Sunday Times" dagegen will erfahren haben, dass Abu Nidal im Auftrag Saddams den internationalen Terror organisiert habe. Der Palästinenser hat über Jahrzehnte Anschläge gegen Israel und westliche Ziele verübt, bei denen fast 300 Menschen ums Leben gekommen sind. Im Bemühen, seine Reputation zu verbessern und eine internationale Abwehrfront gegen einen möglichen Angriff der Amerikaner aufzubauen, habe sich der Diktator eines unliebsamen Helfers entledigen wollen. Abu Nidal wusste einfach zu viel über Saddams Verstrickung in den Terror, behauptet das Londoner Blatt, das die Exekution akribisch schildert. Am 14. August drang nach dieser Darstellung ein Kommando des Office 8, spezialisiert auf politische Morde, in die Villa des Palästinensers in einem der reichsten Viertel von Bagdad ein. Zwei Leibwächter wurden erschossen, danach richteten die Agenten die Waffen gegen Abu Nidal. Zeugenaussagen und Fotos der Leiche hätten einen Freitod einwandfrei ausgeschlossen. Diesen Ablauf rekonstruiert auch der "Sunday Telegraph", der allerdings noch ein anderes Motiv für die Attacke gefunden haben will. Abu Nidal habe sich wegen seiner Krebserkrankung aus dem Terrornetz weit gehend zurückgezogen. Saddam Hussein verlangte jedoch als Gegenleistung für den Unterschlupf in Bagdad eine Reaktivierung der palästinensischen Hilfstruppen. Der 65-Jährige sei angewiesen worden, neue Anschläge gegen die USA und die westlichen Verbündeten vorzubereiten und vor allem die versprengten El-Kaida-Einheiten zu organisieren. Das habe Abu Nidal mit Hinweis auf seine Erkrankung abgelehnt.

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